„Leben und Sterben – so wie ich bin – da wo ich lebe“

Zielgruppe: Ärzte, Pflege, Soziale Arbeit, Ehrenamtliche, Interessierte Öffentlichkeit, Pflegende Palliative Care, Pflegende, Sozialarbeiter, Pädagogen

Ort: Samariterkirche, Pfeifferstr. 10, 39114 Magdeburg

Kurs/ Seminar/ Workshop: Fortbildung/Tagesseminar

Dozenten:

  • Dr. Helga Schlichting, Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig
  • Ingrid Alsleben, Rechtsanwältin, Gifhorn
  • Dr. med. Johannes Reisch, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Palliativmedizin, Gifhorn
  • Dr. med. Sabine Lindquist, Chefärztin, Fachärztin für Neurologie und Sozialmedizin im MZEB der Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg
  • Axel Gutsche, Bereichsleiter „Wohnen + Assistenz“ und „Arbeit + Teilhabe“ der Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg
  • Natalie Siehr, Diplom-Sozialpädagogin, Palliative Care Fachkraft, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildungen und QM bei Zukunftssicherung Berlin e. V.

Teilnehmerplätze: max. 100

Preis: 90 €, Mitarbeitende der Pfeifferschen Stiftungen: 80 € (inklusive Getränke und Imbiss)

Hinweise/ Anmerkungen:
Bitte melden Sie sich mit Ihrem vollständigen Namen, Ihrer Berufsbezeichnung, E-Mail-Adresse und evtl. Telefonnummer an. Der Antrag zur Bildungsfreistellung/ Bildungsurlaub beim LVA Sachsen-Anhalt wurde gestellt.

Anmeldeschluss: 20.08.2019

Schmerzerfassung, Patientenverfügung und Sterbebegleitung bei und mit Menschen mit schwerer geistiger Behinderung

Programm

09:00Ankommen, Einschreiben
09:30Begrüßung, Einleitung ins Thema
10:00

Vortrag Dr. Helga Schlichting

„Schmerz und Schmerzerkennung bei Menschen„Schmerz und Schmerzerkennung bei Menschen mit (schwerer) geistiger Behinderung“

Menschen mit schwerer geistiger Behinderung sind aufgrund verschiedener chronischer und syndrombedingter Erkrankungen lebenslang häufig von Schmerzen betroffen.

Problematisch ist, dass viele von ihnen ihre Schmerzen nicht verbal, sondern durch verschiedenste, manchmal unspezifische Verhaltensveränderungen ausdrücken. Deshalb werden Schmerzen und dahinter liegende Erkrankungen häufig erst sehr spät wahrgenommen und behandelt. Diese Situationen sind für die betroffenen Menschen über die gesamte Biografie ganz besonders am Lebensende sehr belastend.

Spezifische Schmerzbeobachtungsbögen und Möglichkeiten unterstützter Kommunikation können hier eine Hilfe sein, Schmerzen zuverlässiger festzustellen und wirkungsvoller zu behandeln.
11:00

Vortrag Ingrid Alsleben

„Vorsorge durch Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht bei Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung“

§ 1901a BGB besagt, dass nur ein einsichtsfähiger Volljähriger eine Patientenverfügung erstellen kann. Was bedeutet „einsichtsfähig“? Und was gilt für Menschen, die nicht einsichtsfähig sind? Können sie keine Patientenverfügung erstellen? Bleibt ihnen nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass ihre Betreuer ihr Lebensende in ihrem Sinne regeln? Ist jeder Mensch mit einer Behinderung „nicht einsichtsfähig“

Um diese Fragen zutreffend beantworten zu können, ist zunächst ein grundlegendes Verständnis von unseren gängigen Vorsorge-Dokumenten erforderlich: Was macht eine „gute“ Patientenverfügung aus? Wie „funktioniert“ sie? Welche Rolle spielt der sogenannte mutmaßliche Wille und wie werde ich ihm gerecht? Wie muss eine brauchbare Vorsorge-Vollmacht abgefasst sein?

Erst die Antwort auf all diese Fragen führt uns dazu, passgenaue Vorsorge-Dokumente auch für Menschen mit Behinderung erstellen zu können. Dabei gelten für körperliche Behinderungen andere Regeln als für geistige Behinderungen und nicht jede geistige Behinderung hat die gleichen Folgen.

Für jeden behinderten Menschen jedoch gilt Artikel 12 der UN Behinderten-Konvention. Danach haben alle Menschen mit Behinderung ein Recht auf die erforderliche Unterstützung, die zu einem selbstbestimmten Leben und Sterben befähigt. Das mag in dem einen Fall leichter als in dem anderen umzusetzen sein – aber immer sollten wir uns um Festlegungen für die letzte Lebensphase bemühen, die dem betreffenden Menschen gerecht werden und die Dinge nicht nur „laufen lassen“.

13:00Pause mit kleinem Imbiss
13:30

Fallvorstellung Dr. med. Johannes Reisch

Wenn erwachsene, einwilligungsfähige Menschen eine Patientenverfügung erstellen, ist dies am Lebensende für alle – insbesondere die Angehörigen und behandelnden Ärzte – eine große Hilfe. Aus einer sorgfältig erstellten Patientenverfügung kann immer der mutmaßliche Patientenwille abgeleitet werden.

Wie sieht es aber bei Menschen aus, die aufgrund einer geistigen Behinderung nicht in der Lage sind, eine solche rechtswirksame Patientenverfügung zu erstellen? Wie lässt sich hier der „mutmaßliche Patientenwille“ feststellen?

Sind diese Menschen dann den jeweiligen Entscheidungen ihrer behandelnden Ärzte „ausgeliefert“? Müssen sie „erdulden“, was die Behandler für richtig halten?

Wie Untersuchungen belegen, wird gerade bei geistig behinderten Menschen an deren Lebensende häufig medizinisch viel zu viel gemacht.

In dieser Fallbesprechung soll am praktischen Beispiel einer von Geburt an geistig und körperlich schwerstbehinderten jungen frau exemplarisch dargestellt werden, wie eine solche „Vertreterverfügung“ erstellt werden kann.

14:15Kurze Kaffeepause
14:30

Vortrag Dr. Sabine Lindquist

„Therapiebegleitende Erfassung des Patientenwunsches für Krisensituationen“

15:30

Vortrag Axel Gutsche

Vorstellung des Wohnens für Menschen mit Behinderungen in den Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg

16:00

Vortrag Natalie Siehr

Zuhause sterben – Was bedeutet das in Einrichtungen der Behindertenhilfe?

Immer mehr Einrichtungen setzen sich zum Ziel, Menschen mit Behinderung in ihrem Zuhause bis zu ihrem Tod zu begleiten. Doch was heißt das konkret? 

Was kommt auf die Beteiligten zu? Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich und was braucht es, damit eine Begleitung bis zum letzten Atemzug gut gelingen kann? Sterben Menschen mit Behinderung anders als Menschen ohne Behinderung?

Diese und weitere Fragen werden in diesem Vortrag beleuchtet.

17:00Zusammenfassung und Bündelung, Abschluss mit Musik und Abendsegen
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