1. Palliativ-Werkstatt am 22.10.2020 der Pfeifferschen Stiftungen

Einladung zu einer neuen Plattform für Kolleginnen und Kollegen der Palliative Care

Am 22. Oktober 2020 fand die 1. Palliativ-Werkstatt der Pfeifferschen Stiftungen statt. Als Plattform der in Palliative Care weitergebildeten Kolleginnen und Kollegen der Stiftungen ersetzt sie das im letzten Jahr eingestellte Format der „Fallgespräche“.

Mit dem Werkstatt-Format bietet die Palliativ- und Hospizakademie Magdeburg ab 2021 jeden Monat einen angeleiteten und bereichsübergreifendenfachlichen Austausch für die genannten Fachkräfte – jeweils zu einem Thema aus dem großen und interessanten Themenpool der Palliative Care.

Die Treffen gelten als Arbeitszeit.


Zu unserem 1. Treffen wurde zum Konzept des „Total Pain“ Wissen aufgefrischt und an einem „Fall“ die vier Dimensionen existenziellen Leids bearbeitet und anschaulich gemacht.


Cicely Saunders – die Hospizpionierin hat in den 1960er Jahren das Konzept des völligen Schmerzes und Leids definiert. Es ist ein Modell, das den Schmerz nicht nurals Ursache-Wirkungs-Phänomen – hier Körperschaden-dort Schmerz – versteht, sondern als komplexes Erleben eines individuellen Menschen in einer Grenzsituation.

Inhaltlich beschreibt dieses Konzept die vier Ebenen oder Qualitäten von Leid (Schmerz): körperlich, seelisch, sozial und spirituell.

1. Körperliche Dimension

Das ist die am einfachsten zu verstehende Qualität: Jeder hatte schon körperliche Schmerzen, Einschränkungen nach einem Unfall o. ä. gehabt. Damit kennt man sich aus: Patienten genauso wie das Pflegepersonal oder Ärztinnen und Ärzte, das ist sozusagen „eine Komfortzone“. Und genau aus diesen Gründen wird auch gern der Fokus der Wahrnehmung dorthin verlegt – das ist einfach (!).

2. Seelische Dimension

Das ist schon schwieriger – obwohl heute Psychotherapeuten und/oder Psychiater zum therapeutischen Team in Kliniken gehören. Zumindest ansatzweise gibt es das Wissen, dass die Psyche durchaus auch körperliche Beschwerden auslösen kann. Ein eingängiges und sicher (hoffentlich) nachvollziehbares Beispiel ist der Liebeskummer: Das Gefühl ist einfach ätzend, es schmerzt, alles tut weh, nichts geht mehr – von Lebensfreude keine Spur mehr!

Jeder hat so seine Strategie damit zurechtzukommen: Schuhe kaufen, sich in der nächstbesten Kneipe betrinken … Und: Liebeskummer endet wieder – andere Mütter haben ja auch schöne Söhne …!

Das gilt leider für die seelischen Schmerzen unserer Patientinnen und Patienten nicht – im Gegenteil! Das Voranschreiten der Krankheit verstärkt den seelischen Schmerz sogar noch. Da ist vielleicht der zunehmende Schmerz über die zunehmende körperliche Einschränkung und auch die Gewissheit, dass man Kinder, Partner, Eltern eventuell unversorgt zurücklassen muss. Dass man sterben muss und sich davor fürchtet. Vielleicht sogar besonders davor, dass man sterben muss und wird …

3. Soziale Dimension

Zu den vielen genannten Verlusten kommt auch der schmerzliche Verlust der sozialen Rolle – alles, was einen so ausgemacht hat: die Berufstätigkeit, die Rolle als Mutter oder Vater, die Unfähigkeit sein soziales Leben mit Freunden aufrechtzuerhalten. Ein sterbender Mensch erlebt einen kompletten Rollenverlust! Alles, was ihm wichtig war, ist vorbei. War man der Ernährer der Familie, kann man nun den Lebensunterhalt der Familie nicht mehr gewährleisten – daraus resultieren auch Versagensängste in eben dieser Rolle – das ist schweres soziales Leid.

4. Spirituelle Dimension

Das ist am schwierigsten zu erklären. Spiritueller What?

Ein religiöser Mensch kann mit seinem Gott hadern. „Jetzt war ich immer im Gottesdienst, habe meinen Nächsten geliebt wie mich selbst, meine Kirchensteuern bezahlt und jetzt werde ich bestraft mit einem Tumor und muss hier auf der Palliativstation liegen!! Womit hab ich das verdient?“

Das sind leidvolle Gedanken.

Es muss aber nicht immer die Religion sein: Oft geht es auch um Sinnfindung. Wenn man einen 15-Jährigen im Sterben begleitet, geht es selten um Religion. Da geht es um existenzielle Fragen: „Warum habe ich keine Zukunft?“, „Warum konnte ich mich noch nicht verlieben?“, „Warum kann ich nicht wie meine Freunde die Abende beim Tanz und Fröhlichsein verbringen?“, „Warum kann ich meine Ausbildung, mein Studium nicht abschließen?“

Was macht man damit? Wie reagiert man auf diese leidvollen Äußerungen?


Wir haben in unserer 1. Palliativ-Werkstatt versucht, uns dieseQualitäten des Total Pain-Konzeptes zu erschließen und darüber ins Gespräch zu kommen. Es ist gelungen.

Termine Palliativ-Werkstatt 2021

Die Palliativ-Werkstatt bietet Ihnen die Möglichkeit einander näher kennen – und schätzen zu lernen. Voneinander zu lernen und im Gespräch zu bleiben.

Zu den Terminen der Palliativ-Werkstatt 2021 wird immer eine Einladung mit dem jeweiligen Thema versandt. Es gibt noch „freie“ Themen – wer möchte, kann uns ein Thema nennen und die Palliativ-Werkstatt gestalten – Ideen sind sehr willkommen!

Ich freue mich auf Sie und wünsche Ihnen bis dahin alles Gute!

Ihre Dorothea Schnee

 

Termine 2021 – jeweils 13.30 und 14.30 Uhr

28.01.2021Leid, Sterben, Trauer im Familiensystem – eine ehrenamtliche Hospizkollegin aus dem ambulanten Hospizdienst stellt einen „Fall „ vor
18.02.2021Buchvorstellung
18.03. 2021Thema offen
08.04.2021Thema offen
25.05.2021         Thema offen
17.06.2021Thema offen
08.07.2021Thema offen
23.09.2021Thema offen
21.10.2021Thema offen
17.11.2021Thema offen
16.12.2021Thema offen

 

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Ihr Kontakt zur Akademie

Dorothea Schnee

Leiterin Palliativ- und Hospizakademie

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Bärstraße 9
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(0391) 8505 86 83
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Assistentin Palliativ- und Hospizakademie

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